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24.04.2009

Frühjahrsgutachten

Positive Konjunkturwende wird erwartet

Das Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute prognostiziert für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von sechs Prozent. Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer warnte angesichts der tiefen Rezession vor sozialen Unruhen wie in den 1930er Jahren.

Foto:pixelio.de - Gerd Altmann

Die Situation sei vergleichbar mit den Zahlen aus den Jahren der Wirtschaftskrise 1930, 1931 und 1932, sagte Sommer in der ARD-Sendung "hart aber fair". Möglicherweise würden sich Menschen jetzt von der Politik abwenden oder radikalisieren. Die Zahlen des Frühjahrsgutachten könne man nach Ansicht von Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash, aber nicht mit der Wirtschaftsdepression der Weimarer Republik vergleichen. "Das ist wissenschaftlich höchst unseriös und für die Menschen der damaligen Zeit, die Not, Hunger und Elend durchmachten, eine Beleidigung", kritisiert der Personalexperte Nadolski.

Wohlstandniveau auf Rekordhoch

Zudem müssten neben der Veränderung des Bruttoinlandsproduktes auch die Niveauunterschiede berücksichtigt werden. "Wir müssten schon um rund 90 Prozent schrumpfen, um in eine Situation wie vor rund 80 Jahren zu kommen. Davon kann aber keine Rede sein. Selbst wenn wir zurückgeworfen werden auf das Wohlstandniveau von 2005 oder 2006, können wir den Wirtschaftseinbruch sehr gut verkraften", sagt Nadolski. Darüber hinaus hätten die Wirtschaftsprognostiker in den vergangenen Jahren regelmäßig daneben gelegen. "Warum soll das diesmal anders sein", fragt sich Nadolski. Ähnlich urteilen die Cicero-Autoren Richard Gaul und Christiane Goetz. Der kollektive Krisenrausch suche zwar nach Parallelen mit 1929. Nur dieser Vergleich sei schief. "Verglichen werden nämlich Wachstumsraten und nicht Substanzniveaus". Der prozentuale Rekordeinbruch sage nur wenig über die realen Effekte aus. Entscheidend bleibe der Bezugswert. "Das Wohlstandsniveau liegt um ein zig-Faches über dem vor 80 Jahren", so Gaul und Goetz. Was immer man vergleiche - die Lebenserwartung, die Qualität des Essens, das Bildungsniveau, die Wohnsituation, den industriellen Kapitalstock - "wir leben so dramatisch viel reicher als die Generation von 1929", erklären Gaul und Goetz.

Indizien sprechen für Aufschwung

Die Vorhersagen, diese Krise werde nicht nur hart, sondern auch lange andauern, könnten trügen. Denn immer mehr Indizien sprechen dafür, dass ein Aufschwung schneller bevorstehen könnte als die meisten denken. "Viele Unternehmen haben ihre Lagerbestände stark zurückgefahren, sodass bei einer anspringenden Nachfrage sehr schnell sehr viel wieder produziert werden muss. Diesen Lagerzykluseffekt sieht man derzeit bei den Folgen der Abwrackprämie der Autoindustrie", erläutern Gaul und Goetz.

Die wichtigsten Rahmenbedingungen würden gute Nachrichten für einen baldigen Aufschwung verheißen: Die extrem niedrigen Öl- und Rohstoffpreise, die historisch geringen Zinsen, die politische Stabilität, die milliardenschweren Konjunkturprogramme und die Abwesenheit großer Konflikte könnten zu einer überraschend schnellen Gesundung der Wirtschaft beitragen. Der ZEW-Konjunkturindex deutet schon darauf hin, dass die Konjunktur wieder anspringt. Er ist um 16,5 Punkt auf plus 13 gestiegen - erstmals seit Juli 2007 liegt er wieder im positiven Bereich.

Quelle: pte

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